Der Wohnriese von Niesmann + Bischoff im Crash-Test

Keine Airbags in Reisemobilen?

Bislang hatten alle sündhaft teuren Luxus-Reisemobile auf Iveco-Basis keine Airbags an Bord. Kaum zu glauben aber dennoch wahr. Nun möchte Niesmann + Bischoff dies für seine Top-Baureihe Flair ändern. Der Liner-Speziallist ließ zahlreiche Crash-Tests durchführen.
Niesmann und Bischoff Modell Flair
Niesmann und Bischoff Modell Flair

Die Sicherheitsfaktoren wie, Fahrer- und Beifahrer-Airbags, Gurtstraffer und das Stabilisierungsprogramm ESP sollten doch heute überall in der Standard-Ausführung vorhanden sein. Sollte man meinen. Aber dem ist nicht so. Vor allem bei den Linern, der Königsklasse der Reisemobile. Doch auch dort ist kein Airbag zu finden.

Bisher sind sich viele Liner-Besitzer sowie auch -Fahrer nicht bewusst, dass in diesem Wohnriesen auf dem Iveco-Daily-Fahrgestell das Sicherheitssystem, wie im PKW üblich, nicht eingebaut ist. Warum auch. Keiner kommt auf die Idee, dass dies nicht zum Serienumfang gehören könnte.
Tatsächlich ist es aber so. Die Fahrer- und Beifahrerairbags in Wohnmobilen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben und es gibt keine Regelung für die durchzuführenden Crashtests. Deshalb wurden bisher schon zahlreiche Liner auf Iveco-Daily-Fahrgestellen ohne Airbags und Gurtstraffer ausgeliefert.

Aus diesem Grund plant der Speziallist des Liner Wohnriesen von Niesmann + Bischoff, für das Modelljahr 2018 Airbags sowie Gurtstraffer, ESP und ein nach vorne wegklappendes Bremspedal, als erhöhten Schutz im Fußraum, serienmäßig einzubauen.

Das Problem mit den Airbags bei Niesmann + Bischoff

Chassis Modell Flair Nirsmann + Bischoff
Das Chassis des Modell Flair von Niesmann + Bischoff

Im Original sind im Iveco-Fahrgestell zwar Airbags vorhanden, da die Liner aber auf dem Chassis komplett neu aufgebaut werden, muss der Reisemobil-Hersteller für die Sicherheit garantieren. Bei Teilintegrierten-Fahrzeugen ist dies um einiges leichter. Da bleibt das Fahrerhaus fast wie das Original. Bisher scheiterte das Airbag-Thema allerdings an den hohen Kosten für die eigenen Crashtests.

Dieser Herausforderung haben sich Niesmann + Bischoff, sowie Iveco und weitere Zulieferer, gestellt. Sie investierten eine 20-monatige Planungs- und Erprobungszeit, sowie einen siebenstelligen Betrag und crashten drei der Flair-Modelle.

Der Crash-Test

Niesmann + Bischoff Crashtest. Dummy wird vom Gurtstraffer in den Sitz gezogen und der Airbag geht auf.
Beim Aufprall zieht der Gurtstraffer den Dummy in den Sitz zurück und der Airbag löst aus.

Die Wohnriesen krachten frontal in eine 120 Tonnen schwere Stahlbetonbarriere mit einer Geschwindigkeit von 135 km/h und einer Zuladung von 400 Kilogramm, inkl. zwei Dummys á 78 Kilogramm.

Alle Parameter zeigten sich im grünen Bereich, obwohl auf den Fahrer eine Belastung vom 30-fachen der Erdbeschleunigung einwirkten. Bei dem Aufprall hob sich die Hinterachse des Flair komplett an. Trotzdem war das Verletzungsrisiko für den Fahrer, sowie den Beifahrer gering. Die Seitenscheiben zersplitterten nach außen und die Frontscheide ging zu Bruch, allerdings ohne aus dem Rahmen zu springen. Alle Türen und Klappen ließen sich problemlos öffnen und selbst die Spaltmaße stimmten noch. Den Test hat das Flair-Modell also bestanden.

Und nun?

Niesmann + Bischof Flair mit geöffneter Motorhaube
Die speziell gefertigte Schottwand besteht aus dichtem Fasergewebe.

Niesmann + Bischoff und der holländische Truck-Spezialist Estepe, schlossen eine Vereinbarung über die jetzt serienmäßigen Airbags, die Gurtstraffer, dem ESP und dem nach vorne wegklappenden Bremspedals, hinaus ab. Eine Schottwand, die den erforderlichen Sicherheitsanforderungen Stand hält, wird ab November auch verbaut sein. Dies hat Niesmann + Bischoff sich patentieren lassen und erhofft sich mit dieser gewonnen Sicherheit einen Wettbewerbsvorteil.

Am Preis soll sich für den Kunden nur wenig ändern. Beispielsweise ein Flair-Modell mit einem bisherigen Preis von 160.000 Euro, wird dann 165.000 Euro kosten. Ein Aufschlag von ca. 2,5 Prozent waren ohnehin für das nächste Modelljahr geplant.

Die Produktion soll im November diesen Jahres starten. Vorab hat dieses Flair-Modell seine Prämiere auf dem Caravan-Salon (25.08. bis 03.09.) in Düsseldorf.

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2 Kommentare

  1. Danke für die Neuigkeiten in der Wohnmobilbrance.
    Sicherheit bei den WoMo’s ist bisher eher stiefmütterlich behandelt worden und das bei den doch enormen Preisen.
    Hoffentlich ziehen die anderen Hersteller alsbald nach.
    Gibt es überhaupt eine Alternative zu den Dieselfahrzeugen auf Basis Gas oder alternative Antriebe?
    Die Messe steht ja bevor vieleicht tut sich da ja was.

    • Lieber Dieter C.,
      aktuell ist die Dieseltechnologie alternativlos. Zwar wurde auf dem Caravan Salon Düsseldorf 2017 auf dem Stand von Dethleffs die erste Studie zur Elektromobilität (e.home) vorgestellt; diese wird so aber nie in Serie gehen.

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